~ Die Nebenwirkungen - Juni 2015 ~

Und so begann ich im Juni wieder meine gewohnte Pille, die Microgynon, einzunehmen, nachdem ich den zweiten Zyklus mit dem Nuvaring unterbrochen hatte. Ich erhoffte mir Besserungen und die traten auch ein. Ich fühlte mich wieder lebendiger und ging wieder zum Sport, feiern und sogar auf ein Festival. Ich war wieder regelmäßig in der Uni und hatte auch mit meinem Freund und meinen Freundinnen wieder Spaß. Jedoch hatte sich etwas verändert.

Es ist schwierig zu beschreiben, aber ich bin mir sicher, viele von euch werden das Gefühl kennen: Ich fühlte mich irgendwie nur zu 80% anwesend und körperlich fit. Irgendetwas in mir hinderte mich, ich zu sein. Es gab Tage, an denen es mir richtig gut ging und Tage, an denen ich mich am liebsten nur auf dem Sofa verkrochen hätte. Manchmal hielt so eine Phase nur wenige Minuten oder Stunden an, manchmal jedoch auch über mehrere Tage. Mich hat das ganze wahnsinnig gemacht. Meine Lust auf Sex verschwand fast vollkommen (kein Wunder, wenn man auch so sehr mit sich selbst zu tun hat) und ich konnte nachwievor hervorragend heulen und alles überinterpretieren. In meinen Tiefphasen konnte ich zudem kaum etwas Essbares runterbekommen und trotzdem habe ich das Gefühl, unheimlich unförmig geworden zu sein.

Ich bin froh, dass meine Familie, mein Freund und meine nahestehendsten Freunde so verständnisvoll sind und immer ein offenes Ohr für mich haben. Manchmal habe ich ein ganzes Treffen mit meinem Freund nur damit verbracht zu weinen, aber ich bin immer wieder gestärkt da raus gegangen.

Um körperliche Ursachen ausschließen zu können vereinbarte ich einen erneuten Termin bei meinem Hausarzt. Auch dieser war der "Diagnose: Hormone" nicht abgeneigt, wollte jedoch zudem ein großes Blutbild machen. Nachdem wenige Tage später die Befunde da waren und jegliche Mängel, so wie auch eine Fehlfunktion der Schilddrüse (diese ist für die Regulierung der Hormone zuständig) und eine Borelliose ausgeschlossen werden konnte, machte ich mir Gedanken darüber, ob ich einen psychischen Knacks hatte. Ich las viel über Depressionen und psychische Erkrankungen im Internet, machte sogar "do-it-yourself"-Tests zu diesem Thema. Alle hatten regelmäßig während meiner Tiefphasen das gleiche Ergebnis: leichte Verstimmungen. Mit den wirklichen Äußerungen Betroffener konnte ich mich jedoch nie identifizieren.

Ich hoffte einfach weiterhin, dass meine Verstimmungen durch die Pille nach und nach abnehmen würden und ich irgendwann wieder vollkommen ich sein konnte.

23.7.15 22:53

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